Unser Redebeitrag zum Feministischen Streiktag 09.03.2026:
Als Gleichstellungsprojekte setzen wir uns jeden Tag für Geschlechtergerechtigkeit ein.
Tag für Tag unterstützen wir bei der Bewältigung von Krisen, die Patriarchat und Kapitalismus hervorbringen.
Wir befähigen FLINTA, ihre Rechte wahrzunehmen. Wir unterstützen finanzielle und berufliche Unabhängigkeit. Wir schützen vor Gewalt. Wir schaffen Orte gegen Einsamkeit. Wir fangen auf und federn ab, wo Gesellschaft und Politik Ungleichheit und Notlagen erzeugen.
Diese Arbeit ist kein Geschenk der Politik.
Sie ist eine Errungenschaft.
Viele der Strukturen, in denen wir heute hier in Dresden und Ostdeutschland arbeiten, sind in der Wendezeit entstanden. In einer Zeit voller Umbrüche haben queere und feministische Aktivist*innen sich zusammengetan, Räume geschaffen, Beratungsstellen aufgebaut und solidarische Netzwerke organisiert um für ihre Sichtbarkeit und ihre Gleichberechtigung zu kämpfen.
Unsere Arbeit steht auf diesen Schultern.
Und sie führt die Kämpfe weiter.
Dafür brauchen wir eine verlässliche und angemessene Finanzierung. Stattdessen arbeiten wir Jahr für Jahr unter prekären Bedingungen. Jahr für Jahr kämpfen wir gegen Kürzungen, Haushaltssperren und Unsicherheit.
Wir leben heute in einem Land, in dem 70% der berufstätigen Frauen von Altersarmut bedroht sind. Ein Land, in dem mein Geschlecht darüber entscheidet, wie gut ich medizinisch versorgt werde. Ein Land, in dem jeden zweiten Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-partnerin ermordet. Ein Land in dem Schüler*innen von ihren Lehrern missbraucht werden. Ein Land in dem jeden Tag Opfern nicht geglaubt und Täter geschützt werden!
Und während all dies geschieht – wird so getan, als ob gendern die schlimmste aller Zumutungen sei. Mittel für Gleichstellungsarbeit werden gekürzt. Strukturen werden zerstört. Fachkräfte entlassen.
Und ich frage euch: Was genau bringt uns das als Gesellschaft? Wie soll die Zukunft aussehen?
Was haben wir davon wenn Räume für FLINTA, für Begegnung und Bildung verschwinden?
Was bringt es, wenn es keine Anlaufstellen für queere Geflüchtete mehr gibt? Wenn Projekte gegen häusliche Gewalt gestrichen werden?
Wenn unsere Arbeit gekürzt wird, verschwinden nicht nur Posten im Haushalt.
Dann verschwinden Schutzräume.
Dann verschwinden Netzwerke.
Dann verschwinden Orte der Solidarität.
Geschlechtergerechtigkeit ist kein unliebsamer Kostenfaktor. Sie ist das Fundament einer lebenswerten Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der ALLE Menschen gesund, sicher und selbstbestimmt leben können.
Dafür braucht es Gleichstellungsarbeit. Für eine Zukunft, in der Gleichberechtigung mehr ist als ein Versprechen im Grundgesetz, sondern gelebte Realität – eine bessere Zukunft für Alle.


